Steller Heide – vom Naturparadies zur Hundetoilette

Die Steller Heide, Landschaftschutzgebiet am nördlichen Rand der Gemeinde Stuhr. Hier lebe ich, hier bin ich geboren und aufgewachsen, genau wie meine Onkel, Tanten, meine Mutter, mein Vater zog im Alter von 17 Jahren hier ein, uns selbst meine Großeltern waren kaum 20 als sie dieses Haus bezogen. Umso mehr schmerzt es mich, wenn ich sehe wie die katastrophalen Fehlentscheidungen der Gemeinde Stuhr innerhalb weniger Jahrer zur vollständigen Zerstörung geführt haben.

Zum Anfang … ich kann mich gut an meine Kindheit hier erinnern, ein ruhiges Haus zwischen wogenen Wiesen, einem naturbelassenen Wald und Sanddünen mit Heidepflanzen und vielfältiger Tierwelt. Ab uns zu einige Spaziergänger und Bewohner der umliegenden Siedlungen, ein paar Urlaubsgäste und Famlien aus der angrenzenden Stadt Delmenhorst.

Über die Jahre wurde die Steller Heide sträflich vernachlässigt, die Wiesen und Gräser wichen einem Mischwald, genau wie die Sandflächen und die Heidepflanzen, die der Steller Heide ihren Namen gaben. Heute befindet sich dort, wo die Heide einst stand, der selbst in Besitz genommene Treffpunkt der „Hundefreunde Steller Heide“ … mit entsprechender Ansammlung an Müll, Hundekot und nicht dem Hauch von Natur.

Vor ca. 7 Jahren wurden meine Eltern durch die Gemeinde Stuhr informiert, das man plane die gesamte Steller Heide zur Hundefreilauffläche umzudeklarieren. Frau Sigrid Hägedorn aus der Gemeindeverwaltung präsentierte uns einen Plan, in dem weder unser Grundstück noch die umliegenden Naturflächen eingezeichnet waren, und fragte uns nach der Zusttummung, die wir aus folgenden Gründen verweigerten:

  • Die Freilauffläche sollte unser Grundstück vollständig umschließen
  • Die Freilauffläche erstreckte sich genau auf das Gebiet mit Wildbestand (Rehe, Fasane, Kaninchen, Feldhasen…)
  • Eine nicht umzäunte Freilauffläche ist für Hunde ein hohes Risiko, da gerade auch die Wege entlang der Steller Heide durch landwirtschaftlichen Verkehr stark frequentiert sind…

In den folgenden Jahren wurde es wieder ruhig im die Freilauffläche, allerdings wurden wir bewusst aus der Planung, also einzige Anwohner herausgehalten und vor vollendete Tatsachen gestellt. Die Freilauffläche wurde ohne öffentliches Verfahren, die zuständige Sachbearbeiterin in der Gemeinde Stuhr ist selbst Halterin diverser Hunde, beschlossen und durchgesetzt. Auf unseren erneuten Einwand, gerade die von Wildtieren genutzen Flächen genutzt zu haben, wurde uns ein Gutachten des NABU Stuhr erläutert, das klarstelle das es keine Bedenken gäbe und wir offenbar eine fehlerhafte Wahrnehmung hätten. Dieses Gutachten bestand und besteht übrigens bis heute nicht, es handelt sich um eine glatte Lüge. Da mein Vater zwischenzeitlich verstarb war dieser auch nicht mehr in der Lage sich entsprechend zu wehren, nach meinem Einzug in mein Elternhaus waren bereits Tatsachen geschaffen.

Nun wohne ich in einem Wald, auf einem Grundstück ohne Nachbarn … traumhaft, so lange ich alle Fenster geschlossen halte und das Grundstück nicht verlasse. Die Hundefreilauffläche hat sich auf einen kleinen Bereich direkt hinter unserem Grundstück verlagert, dieser wird nun täglich von 40-130 Hunden inkl. Haltern frequentiert, spielene und streitende Hunde hinter dem Haus, vor dem Haus, um das Haus herum, im Haus, auf dem Hof … Hunde überall. Klingt nach Verzweiflung … ist es auch.

Seit 2014 ist der Bestand von Rehwild von 5 auf 0 Tiere gefallen, alle 5 Rehe wurden von Hunden gerissen, während ich bei 3 der Vorfälle Zeuge war, sind die anderen beiden Beißvorfälle durch örtliche Jäger dokumentiert worden, in der Verwaltung der Gemeinde Stuhr wurden allerdings – unerklärlicherweise – sämtliche Vorfälle, teilweise trotz Videodokumenten als Todesursachen nicht durch Hunde verursacht dokumentiert, offenbar um die Hundefreilauffläche nicht zu gefährden.

Nahezu täglich verirren sich Hunde auf unser Grundstück, oft finden sie nicht mehr zürück, daher wurde unser Zaun an inzwischen 4 Stellen zerschnitten, selbst Reparaturen sind nur von kurzer Dauer, an anderer Stelle wird der Zaun wieder zerschnitten.

Der Hund meiner Eltern musste zu Weihnachten 2015 im Alter von 16 Jahren eingeschläfert werden, während dieser friedlich im Eingangsbereich unseres Hauses schlief hörte ich auf einmal lautes Gebell und herzzerreissendes Gejaule, zwei weisse Schäferhunde bissen unseren alten Hund Joey beinahe tot, mit blutenden Wunden konnte aufgrund des hohen Alters und des Blutverlustes nichts mehr für unseren Hund getan werden. Die erfolgte Strafanzeige gegen den Halter wurde eingestellt da sich der Halter nicht ermitteln lasse … tatsächlich läuft der Herr noch täglich zur selben Zeit durch die Steller Heide und die beiden weissen Schäferhunde laufen weiterhin frei herum.

Im Jahr 2017 … inzwischen ist es unertäglich laut, reichte ich Klage ein. Die Gemeinde Stuhr, wieder vertreten durch Frau Hägedorn reagierte sofort und versprach mir, sobald ich die Klage zurücknehme und die Einreichung des Antrags auf Fördergelder für das Landschaftsschutzgebiet damit nicht gefährde, einen Zaun am Waldrand zu ziehen, so das räumlich klargestellt würde, das die Freilauffläche im Wald am Waldrand entdet, und somit der ohne Rücksicht gewählte Treffpunkt der Hundehalter klar in einen Bereich verlegt würde, der für weniger Lärm und vor allem auch den Schutz der Wildtiere sorgen würde. Tatsächlich wurde ein Zaun gebaut, ein Bretterzaun ohne jeden Nutzen, und zwar 20m entfernt vom Waldrand … auf der falschen Seite, dieser lädt nun zum Verweilen ein.

Seit dem Bau des Zaus liegt die Lärmbelästigung durch Hundebell am Wochenende zwischen 06 Uhr morgen und dem späten Nachmittag auf unserem Grundstück bei durchschnittlich 80 Dezibel … ein Wert der selbst für Anwohner von Autobahnen nicht zulässig ist.

Nun …was soll ich tun? Die Hundehalter sind nicht verantwortlich, in Gespächen wird immer wieder klar, das auch die Mehrzahl der Hundehalter eine eingezäunte Fläche an einer besser erreichbaren Stelle ohne Bewohner, wie sie in allen anderen Gemeinden völlig normaler Standart ist bevorzugt würde. Lt. Aussage der Gemeinde Stuhr wäre so etwas nicht möglich … offenbar vor allem da es mit Kosten verbunden ist, im Gegensatz zur einstigen Naturoase Steller Heide, eine Fläche die der Stadt Bremen gehört.

Ich kann nur an alle Hundehalter*innen apellieren … nehmt eure Hunde ausserhalb des Waldes an die Leine, hier ist immer noch ein kleiner Wildbestand vorhanden, der unter allen Umständen zu schützen ist und bitte, sucht euch einen anderen Treffpunkt, der nicht direkt in Hörweite zu meinem Haus liegt.

Mein Wunsch wäre, die Wiederherstellung der Steller Heide … mit Sanddünen, Heideflächen, Wildbienen und Gräsern … und ohne hunderte freilaufender Hunde.

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